Berühmte Schachspieler

Sowohl vor als auch nach allgemeiner Anerkennung des publikumswirksamen Titels eines „Schachweltmeisters“ Ende des 19. Jahrhunderts haben es Ausnahmeschachspieler wegen ihres Könnens, aber oft daneben auch wegen exzentrischer Eigenheiten, eine Prominenz erlangt, die weit über die inneren Zirkel der ernsthaften Schachbegeisterten hinausreichte.

Genialer Spieler, schlechter Verlierer: Howard Staunton

Die internationale Schachszene wurde ein knappes Jahrzehnt von dem Engländer Howard Staunton (1810 – 1864) beherrscht. 1843 besiegte Staunton, der als Journalist und zeitweiliger Schauspieler neben seinem Schachkönnen auch über ausgezeichnete Selbstdarstellungstalente verfügte, den berühmten französischen Schachkönner Pierre Charles Fournier de Saint-Amant (1800-1872) in einem aufsehenerregenden Spiel in Paris. Staunton, der seitdem in der Schachwelt als inoffizielle Nr. 1 galt, scheiterte 1851 beim von ihm organisierten Schachturnier der Weltausstellung in London. Staunton, nach dem die bis heute geltende Form der Schachfiguren benannt worden ist, schmähte seine Gegner und zog sich schmollend vom Schachsport zurück.

Erster offizieller Weltmeister: Wilhelm Steinitz

Der in Böhmen geborene und in die USA ausgewanderte Schachtheoretiker Wilhelm Steinitz (1836-1900) gilt als Begründer bis heute allgemein beachteter Grundprinzipien für die Spielweise am schwarzweißen Brett. Aber auch als Spieler war Steinitz von herausragender Bedeutung. Von seiner Anerkennung 1886 bis zu seiner nie verschmerzten Entthronung durch den jungen Deutschen Emanuel Lasker (1868-1941) im Jahr 1894 war Steinitz  erster offizieller Schachweltmeister.

Der große Exzentriker: Bobby Fischer

Zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Schachgeschichte gehörte der US-Amerikaner und spätere isländische Staatsbürger Bobby Fischer (1943-2008), der bereits als 14jähriger Teenager US-Schachlandesmeister geworden war. 1972 bezwang Fischer beim „Match des Jahrhunderts“  in Reykjavik den bis dahin amtierenden Schachweltmeister, den Sowjetrussen Boris Spasski (geb. 1937). Fischer, der das Duell zu einem Kampf zwischen Ost und West hochstilisiert hatte und mit Psychotricks für medienwirksame Aufmerksamkeit gesorgt hatte, wurde der Titel 1975 aberkannt, weil er sich geweigert hatte, gegen den sowjetischen Herausforderer Anatoli Karpow (geb. 1951) anzutreten. Nichtsdestotrotz sah Fischer, der weltweit einen regelrechten Schachboom ausgelöst hatte, sich bis zu seinem Lebensende als ungeschlagener, und damit rechtmäßiger, Inhaber des Weltmeistertitels.