Schachcomputer

Schachcomputer haben eine lange Geschichte, erstmals wurde im 18. Jahrhundert ein entsprechendes Gerät entwickelt. Es hieß der “Türke” und war, nomen est omen, getürkt, da in Wahrheit von versteckten Menschen bedient. Tatsächlich gelang jedoch einem Spanier schon Ende des 19. Jahrhunderts ein mechanischer, wirklich selbstständig spielender Schach”computer”, der immerhin das Endspiel König/Turm gegen König beherrschte. Weiter kam man mit mechanischen Maschinen nicht, erst um 1950 setzte durch die digitale Entwicklung auch die Erfindung echter Schachcomputer ein.

Die Entwicklung im 20. Jahrhundert

Die Computer entwickelten sich ab der beginnenden zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rasant, mit ihnen die Schachcomputer. Auf der Hard- und Softwareseite ging es um immer mehr Bits und Bytes, die rasch untergebracht sein wollten, hinsichtlich der Programme ging es jedoch darum, Schach zu mathematisieren. Schließlich musste das Königsspiel mit seinen unendlichen Varianten in die Computersprache übersetzt werden, und das war die eigentliche Herausforderung. Also entwickelten die Großmeister des Schachs (allerdings nicht alle) Schach-Algorithmen, Ingenieure übertrugen diese in binäre Formeln. Die ersten brauchbaren Maschinen entstanden Ende der 1970er Jahre, die amerikanische “Belle” beispielsweise beherrschte 180.000 Stellungen und konnte neun Halbzüge tief suchen, praktisch “vorausdenken”. Der Computer wurde 1983 als Nationaler Meister der USA ausgezeichnet, ein Novum in der Schach- wie in der Computerwelt. Belle wurde auch von einem anderen, eigentlich schnelleren Rechner namens “Cray Blitz” nicht besiegt (das erste Game Computer gegen Computer), was wahrscheinlich an den besseren Algorithmen von Belle lag, die über die höhere Rechenleistung siegten. Es folgten jedoch weitere Modelle mit noch mehr Rechenleistung und bis zu 50 Millionen Dollar teuer, und diese besiegten auch Belle. Was sollte damit bewiesen werden? – Nun, es ging bei der Forschung an Schachcomputern die ganze Zeit darum, menschliche Kreativität mit der Kraft von Maschinen zu vergleichen. Diese Frage ist so spannend wie die Erforschung des Weltraums. Bis Mitte der 1990er Jahre war der Mensch dabei überlegen, Schach-Großmeister besiegten regelmäßig die Computer.

Der Sieg der Maschine

IBM ließ im Jahr 1996 den Superrechner Deep Blue auf den amtierenden Weltmeister Garri Kasparow los, und das Wunder geschah: Nach regulären Zeitkontrollen schlug die Maschine das menschliche Superhirn. Der Programmierer Feng-hsiung Hsu hatte seit Mitte der 1980er Jahre an Deep Blue gearbeitet, und endlich war bewiesen, dass auch der Gipfel menschlicher Entscheidungsflexibilität – denn als das gilt das Schachspiel – berechenbar ist. Moderne Schachcomputer wurden nun immer praktikabler, kleiner und für jedermann verfügbar, sie speichern Übungen und enthalten diverse Standards – das, was Generationen von Schachspielern aus Büchern lernten. Nur zu billig sollte ein Schachcomputer nicht sein, er wäre dann zu leicht zu schlagen, und das verdirbt den Spaß.